In vielen Schubladen liegt ein Echo Dot der dritten Generation, der seit Monaten nichts mehr gesagt hat – entweder aus Misstrauen oder weil Alexa auf „Licht aus“ lieber mit einem Einkaufstipp geantwortet hat. Genau für diese Geräte gibt es jetzt LocalDot: eine Ersatz-Hauptplatine, die aus dem Amazon-Lautsprecher einen lokalen Sprachassistenten für Home Assistant macht.
Platine raus, Platine rein
Hinter LocalDot steckt AAElectronics aus Udine. Der Umbau ist kein Software-Trick: Ihr öffnet den Echo Dot (3. Gen.)* und tauscht die Hauptplatine. Gehäuse, Lautsprecher, die vier Mikrofone, Tasten, LED-Ring und sogar das Original-Netzteil bleiben. Auf der neuen Platine teilen sich zwei Chips die Arbeit: ein ESP32-S3 für WLAN und Steuerung, ein ESP32-P4 nur fürs Audio. Dazu kommt ein TAS5805-Verstärker für den Originallautsprecher. Der S3 läuft mit ESPHome – für Home Assistant ist das also ein ganz normales ESPHome-Gerät.
Nach dem Aktivierungswort geht der Sprachbefehl an euren eigenen Sprachassistenten-Server im Netzwerk statt in Amazons Cloud. Stummschalt-Taste und LED-Ring funktionieren wie gewohnt – ihr seht also weiterhin, wann zugehört wird. Geräte steuern, Timer, Sprachnotizen, Durchsagen und Gegensprechen zwischen Räumen sollen auch ohne Internet laufen, solange euer Server und die Sprachverarbeitung lokal laufen.
Was noch fehlt
Bisher gibt es nur eine Vorankündigungsseite bei Crowd Supply, auf der ihr euch für den Kampagnenstart eintragen könnt. Preis und Liefertermin stehen noch nicht fest. Laut GitHub-Repo läuft gerade der erste funktionierende Prototyp, „noch nicht perfekt“. Hardware und Software sollen unter CERN-OHL-S-2.0 offengelegt werden. Und wer jetzt losrennen will: Neu gibt es den Echo Dot 3 offiziell nicht mehr, also bleibt nur der Gebrauchtmarkt – oder eben die Schublade.
🛠️ Geht auch ohne neue Platine: Diese Projekte gibt es schon
LocalDot ist nicht der erste Versuch, Alexa vor die Tür zu setzen. Drei Community-Projekte flashen statt zu löten – alle drei sind jung (seit Sommer 2026), werden aber gerade sehr aktiv entwickelt. Gemeinsam haben sie: Ihr müsst den Echo erst entsperren, und das ist nichts für nervöse Hände. Wer sich dabei sein Gerät zerschießt, hat immerhin endlich einen Grund, die Schublade aufzuräumen.
- EchoLocal macht den Echo Dot der 2. Generation (und inzwischen auch Echo Show 5 und 8) zum lokalen Sprachsatelliten. Die Firmware spricht die native ESPHome-API, Home Assistant findet das Gerät also wie jedes ESPHome-Gerät. Aktivierungswort läuft direkt auf dem Dot (microWakeWord/openWakeWord), dazu Media-Player, Music-Assistant-Wiedergabe, Timer, Gegensprechen und sogar ein Bluetooth-Proxy. Voraussetzung: Entsperren per TWRP nach XDA-Anleitung. Stand: Version 0.0.11, also klar frühe Phase.
- echo-dot-assist ist für LocalDot-Interessierte der spannendste Kandidat: Es läuft schon heute auf dem Echo Dot 3 von 2018 (Modell D9N29T), außerdem auf Echo Dot 2 und dem großen Echo 2. Der Clou: Amazons Mikrofon-Verarbeitung und Wake-Word-Erkennung bleiben, nur Alexa fliegt raus. Home Assistant sieht ein ESPHome-Gerät. Der Haken: Beim Dot 3 müsst ihr das Gehäuse öffnen und Drähte an Testpunkte bringen, und ihr braucht einen echten Linux-PC. Die späteren Dot-3-Versionen (2019/2020, Modell C78MP8) und der Dot mit Uhr werden nicht unterstützt.
- LibreEcho geht am weitesten und ersetzt das komplette Betriebssystem durch ein eigenes Linux (Kernel 6.1) mit Web-Oberfläche und abgesicherten Updates. Hauptziel ist der große Echo der 2. Generation, inzwischen läuft auch der Echo Dot 2, laut Entwickler aber noch weniger erprobt. In Home Assistant meldet es sich ebenfalls als ESPHome-Sprachsatellit. Beim großen Echo braucht ihr einen Pogo-Pin-Adapter oder ein angelötetes Kabel. Stand: stabile Version 0.14.4, eine offene Beta für weitere Modelle gibt es noch nicht.
Meine Einordnung: Wer einen Dot 2 hat und basteln mag, kann mit EchoLocal oder LibreEcho heute schon loslegen. Für den Dot 3 ist echo-dot-assist die Software-Abkürzung, LocalDot die Lösung für alle, die lieber eine Platine tauschen als an Testpunkten herumzulöten – und dabei auf neue Audio-Hardware statt auf Amazons Original setzen. Wer gar nicht basteln will, nimmt die Home Assistant Voice Preview Edition*.
📖 Wie lokale Sprachsteuerung mit Home Assistant komplett ohne Cloud funktioniert: Lokale Sprachsteuerung mit Home Assistant
Quellen: LocalDot bei Crowd Supply · LocalDot auf GitHub · SmarthomeAssistent · Beitragsbild: KI-generiertes Symbolbild
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