✅ Smarte Türklingeln gibt es wie Sand am Meer – und trotzdem taugt kaum eine wirklich was. Ich habe über ein Jahr gebraucht, drei Systeme im Altbau durchprobiert (DoorBird, SwitchBot und Reolink) und zeige dir hier ehrlich, woran die meisten scheitern, welche bei uns endlich funktioniert – und ganz wichtig: was mit deiner smarten Türklingel eigentlich passiert, wenn mal das Internet ausfällt.
Inhaltsverzeichnis
- 🎯 Was eine smarte Türklingel für uns können musste
- 🚪 DoorBird: sieht perfekt aus – scheitert am Altbau
- 🔔 SwitchBot: kinderleicht, aber unzuverlässig
- 🏆 Reolink Video Doorbell (2. Gen): unser Sieger
- 🤔 Warum gibt es eigentlich nichts richtig Gutes?
- 📊 Mein Fazit: Was solltest du kaufen?
🎯 Was eine smarte Türklingel für uns können musste
Wir haben im Mai 2025 mit dem Umbau angefangen – und die Türklingel ist dabei natürlich das Allerletzte, woran man denkt. Genau deshalb stand sie dann plötzlich ganz oben auf der Liste. Bevor wir uns überhaupt etwas angeschaut haben, stand erstmal die Anforderungsliste:
- Am besten mit Display – sprechen, gucken und so weiter
- Funktioniert im Optimalfall autark, auch wenn mit dem Netzwerk etwas nicht stimmt
- Kabellos oder in die bestehende Verkabelung integrierbar
- Benutzerfreundlich, auch für nicht Smart-Home-affine Leute
- Kann die Tür irgendwie öffnen
- Kostet kein Vermögen
So richtig alle Punkte abzudecken ist schwieriger, als man denkt – und ehrlich gesagt sind wir später selbst ein Stück weit davon abgerückt. Aber der Reihe nach.
🚪 DoorBird: sieht perfekt aus – scheitert am Altbau

Wenn man sich mit dem Thema beschäftigt, landet man ziemlich schnell bei DoorBird. Und auf den ersten Blick ist das auch DIE Option: tolle Hardware, eine eigene, lokal laufende Integration in Home Assistant (IoT-Class „Local Push“) und ein wirklich durchdachtes System.
Das große Aber: DoorBird-Anlagen sind – wie viele smarte Türklingeln – IP-basiert. Außen- und Inneneinheiten reden also immer über ein IP-Netzwerk miteinander. Zwar gibt es einen offiziellen 2-Draht-Adapter, mit dem du das IP-Netzwerk über die alten Klingeladern schickst – aber am Ende bleibt es IP. Und im Altbau zieht das eine ganze Konsequenzkette nach sich: Du brauchst einen Netzwerk-Switch dort, wo die Klingelverkabelung zusammenläuft, der Switch braucht Internetzugang und muss ins Heimnetz integriert werden – und am Ende hängt die komplette Klingelanlage an einem Heimnetz.
Und genau da liegt der Knackpunkt: Eine ganz normale 2-Draht-Klingel klingelt immer – auch wenn WLAN, Internet und Netzwerk komplett tot sind. Bei DoorBird und jeder anderen IP-basierten Klingel gilt: Netzwerkproblem = es klingelt im Zweifel nicht. Dazu kommt die Zukunftsfrage: Was, wenn unten mal jemand Fremdes einzieht und dessen Türklingel dann an meinem Heimnetz hängt? Kein Drama, aber gefallen hat mir das nicht.
✅ Vorteile:
- Hochwertiges System mit großer Produktauswahl (auch für Mehrfamilienhäuser)
- Eigene, lokal laufende Home-Assistant-Integration
- Ideal, wenn du im Neubau ohnehin frisch verkabelst
❌ Nachteile:
- IP-basiert – die ganze Anlage hängt am (Heim-)Netzwerk
- Im Altbau aufwendig: Switch, PoE, Netzwerkkabel bis zur Außeneinheit
- Nicht gerade günstig
Kleiner Nachsatz: WLAN-Klingeln haben übrigens exakt dieselbe Netzwerk-Abhängigkeit – sind nur deutlich günstiger. Genau dort ging die Suche also weiter.
🔔 SwitchBot: kinderleicht, aber unzuverlässig

Weil meine Schwiegereltern unbedingt eine Innenstation wollten (Bild sehen, sprechen, Tür öffnen) und die alte Inneneinheit im Dachgeschoss genau dann den Geist aufgegeben hat, brauchten wir schnell eine Lösung. Also drei SwitchBot-Türklingeln besorgt und in zwei Parteien gehängt.
Die Installation ist wirklich kinderleicht: Außeneinheit raus, Innenstation rein, App, fertig. Die Außeneinheit ist batteriebetrieben und kann über die alte Klingelleitung, ein Solarpanel oder per USB-C mit Strom versorgt werden. Technisch spannend: Die Innenstation verbindet sich zu einem versteckten, eigenem Mini-WLAN, dass die Außeneinheit aufspannt. Klingt clever – wird aber bei mehreren Stockwerken genau zur Falle.
Über zwei Etagen war das bei uns nämlich störanfällig. Ungefähr einmal im Monat musste ich die Innenstation vom Strom trennen und wieder einstecken, damit das Kamerabild wieder sauber läuft. Geklingelt hat es übrigens immer zuverlässig.
Und mit mehreren Außeneinheiten wurde es schlimmer – die eigenen Funknetze und unser WLAN-AP draußen stören sich scheinbar gegenseitig. Dazu kommt der für mich größte Frustpunkt: An der Innenstation sind je nach Ansicht Buttons frei, aber du darfst dort keinen Webhook hinterlegen. Ein Türöffner über Home Assistant (wenn du kein SwitchBot-Schloss nutzt) ist damit nicht möglich – die Hardware könnte es vermutlich, die Software verbietet es aber bzw. ermöglicht es nicht.
✅ Vorteile:
- Extrem einfache Installation, günstig
- Echte Innenstation mit Display
- Spielt super mit dem SwitchBot Lock Ultra zusammen (Tür direkt aufsperren)
❌ Nachteile:
- Über mehrere Etagen unzuverlässig, mehrere Außeneinheiten stören sich scheinbar gegenseitig
- Kein frei belegbarer Webhook – kein universeller HA-Türöffner
- Kopplung mehrerer Stationen mit demselben Lock Ultra nur im selben SwitchBot-Account möglich
- Die App leitet einen bei Push-Notifications von der Klingel nicht direkt in die richtige Unteransicht, sodass das Öffnen der Tür über die App etwas umständlicher ist
Ehrlich gesagt ist das für ein Einfamilienhaus trotzdem eine gute Option – vor allem, wenn Innen- und Außeneinheit nah beieinander sind und du sowieso das nutzt. Dann sperrt die Klingel über den Monitor auch die Tür direkt auf.
Über zwei Stockwerke oder mehr, wie bei uns, eher nicht zu empfehlen.

🏆 Reolink Video Doorbell (2. Gen): unser Sieger

Mit perfektem Timing kam dann die neue Reolink Video Doorbell der 2. Generation raus. Eigentlich ein Problem, denn sie hat gar keine Innenstation – also genau das Feature, wegen dem wir SwitchBot überhaupt gekauft hatten. Trotzdem hat sie am Ende alles übertroffen. Warum?
Zuerst der eine Nachteil: Du brauchst WLAN-Empfang draußen am Montageort. Im Zeitalter von E-Autos und Co. haben das aber viele ohnehin schon. Dafür hängt die Reolink im ganz normalen Haus-WLAN statt in einem eigenen Funknetz – egal wie viele Außeneinheiten du montierst, sie stören sich nicht gegenseitig. Sie läuft dauerhaft am vorhandenen Klingeltrafo, du musst also nichts neu ziehen. Wahlweise auch einfach Batteriebetrieben oder über eine Solar-Halterung, wenn du keine Kabel liegen hast.
Der eigentliche Gamechanger sind aber die frei hinterlegbaren Webhook-URLs.
- Früher waren die Reolink-Türklingeln genau das: eine Türklingel. Gucken, wer an der Tür ist, Ereignisse lokal aufzeichnen, in Home Assistant integrieren – alles gut.
- Aber die Tür direkt über die Klingel öffnen? Ging nicht.
Bei der 2. Generation ist genau das neu. Du hinterlegst einfach eine eigene URL – ein Home-Assistant-Webhook, ein Shelly-Aktor, völlig egal. Herstellerunabhängig.
Bei uns sieht das so aus:
Kommt der Webhook rein, prüft Home Assistant zuerst den Status des Lock Ultra: Ist abgeschlossen? -> Dann wird erst entriegelt und danach der Türsummer ausgelöst.
Ist ohnehin nur zugezogen? Dann reicht der Türsummer.
Verhält sich also exakt wie eine normale Haustür – nur smart. Und obwohl es keine Innenstation gibt, ruft die Klingel dich (unter iOS) einfach an – im Anruf-Bildschirm liegt der Webhook-Button, du öffnest also die Tür, während du mit der Person vor der Tür sprichst. Damit ist die Innenstation schlicht überflüssig.
✅ Vorteile:
- Frei hinterlegbare Webhook-URLs – Tür öffnen herstellerunabhängig aus Home Assistant
- Hängt im normalen Haus-WLAN, mehrere Außeneinheiten stören sich nicht
- Läuft am vorhandenen Klingeltrafo, Reolink-typisch starke Bildqualität, lokale Aufzeichnung
- Ruft dich (iOS) an – Innenstation nicht nötig
❌ Nachteile:
- Braucht WLAN-Empfang draußen am Montageort
- Keine klassische Innenstation (für manche ein Muss)
- Push & Anruf der App hängen an der Cloud (dazu gleich mehr)
🌐 Wichtig: Was funktioniert bei Internet-Ausfall?

Das ist der Punkt, der oft untergeht und den ich dir ganz klar mitgeben will: Die Push-Nachrichten und die Anruffunktion über die Reolink-App hängen an der Cloud. Diese App-eigenen Funktionen brauchen also Internet. Fällt das Internet aus, bekommst du keine Push-Nachricht und keinen App-Anruf mehr aufs iPhone.
Aber: Der Video-Stream lässt sich auch ohne Internet lokal im Netzwerk abrufen. Und wenn du dir einen Reolink-Gong (Chime) dazukaufst, funktioniert der ebenfalls rein lokal im Netzwerk. Heißt konkret: Die Türklingel klingelt auch bei Internet-Ausfall – du bekommst dann nur eben keine Push-Nachricht über die App. So ist zumindest sichergestellt, dass es überhaupt klingelt, wenn jemand vor der Tür steht.
Statt des Gongs kannst du die Klingel alternativ auch mit einem Reolink Home Hub* koppeln und den Home Hub klingeln lassen – das läuft ebenfalls lokal. Den passenden Gong gibt es hier:
Wie du Reolink-Kameras und -Türklingeln sauber in Home Assistant einbindest (inkl. Home Hub), habe ich in einem eigenen Beitrag zusammengefasst:
📖 Alles zu Kameras & Türklingeln in Home Assistant: https://www.simon42.com/home-assistant-reolink/
📹 So habe ich meinen Türöffner (Summer) smart gemacht: https://youtube.com/shorts/QImG7Mwf_7k
📹 Webhook-Automation von der KI bauen lassen (MCP): https://youtu.be/AL391nkWGIc
🤔 Warum gibt es eigentlich nichts richtig Gutes?
So zufrieden wir jetzt sind – eine Sache macht mich beim ganzen Thema trotzdem wahnsinnig. Warum gibt es eigentlich keine Türklingel, die man im bestehenden 4-Draht-System nachrüstet, die eine offene Innenstation bietet (idealerweise Open Source bzw. mit offener Schnittstelle) und Zugriff auf die Sensoren der Außeneinheit gibt? Mit einer stinknormalen Klingel geht das seit 50 Jahren. So schwer kann das doch nicht sein.
Falls du so etwas kennst: Bin ich zu blöd zum Suchen – oder baut das echt keiner? Schreib es mir gerne in die Kommentare oder in die simon42 Community, das würde mich wirklich brennend interessieren.
📊 Mein Fazit: Was solltest du kaufen?
Kurz zusammengefasst, wie ich es machen würde:
- Neubau / große Renovierung, alles frisch verkabelt: DoorBird, mit von Anfang an eingeplanter Netzwerkverkabelung.
- Altbau/Bestand und es soll einfach in Home Assistant funktionieren: ganz klar die – für uns ein No-Brainer.
- Einfaches Einfamilienhaus, Innen nah an Außen, du nutzt sowieso das Lock Ultra: die SwitchBot Video Türklingel* – wenn dir eine echte Innenstation wichtig ist.
Wir sind mit der Reolink-Lösung aktuell wirklich super zufrieden – lokal integriert in Home Assistant, Türöffnung über Webhook, und selbst bei Internet-Ausfall klingelt es dank Gong. Besser geht es für unseren Altbau kaum.
📹 Das ganze Klingel-Chaos gibt es auch als Video: [TODO: YouTube-Link einfügen, sobald live]




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