Heizen über Googles Cloud ist ein bisschen wie Lichtschalter per Brieftaube: funktioniert, solange die Taube Lust hat. Das neue Open-Source-Projekt unfr0zen holt das Nest Learning Thermostat deshalb aus der Cloud zurück ins eigene Netz. Ein USB-Kabel, ein Programm am Rechner, und danach spricht das Thermostat lokal per MQTT, Matter oder Zigbee mit Home Assistant. Google-Konto und Internet braucht es dann nicht mehr.
Vorgestellt hat der Entwickler das Projekt auf Reddit, „rechtzeitig zum Winter“. Code und Anleitung liegen auf GitHub unter GPL-3.0, eine Übersicht gibt es auf unfr0zen.com. Das Repo ist gut eine Woche alt, aktuell ist Version 0.2.4 vom 2. November. Laut README hat beim Bau der App-Oberfläche, der Doku und der Tests Claude Code mitgeholfen.
Was unfr0zen macht
Die Nest-eigene Thermostat-Software bleibt drauf und steuert weiter Display, Drehring und Heizungsanschlüsse. unfr0zen installiert daneben den Dienst nestlocal, der sich für die Google-Cloud ausgibt. Auf Wunsch werden die Nest- und Google-Server komplett gesperrt. Das WLAN, in dem das Thermostat hängt, braucht danach keinen Internetzugang mehr.

Für Home Assistant stehen drei Wege offen:
- MQTT: Das Thermostat verbindet sich per WLAN direkt mit eurem Broker, etwa dem Mosquitto-Add-on, und taucht per MQTT-Discovery als Klima-Entität auf. Mit dabei: Heiz- und Eco-Modi, Solltemperaturen, Luftfeuchte, Anwesenheit, Akku, Zeitplan-Automatik und einiges mehr. Zwei Blueprints liefern Außenwetter und Uhrzeit, die das Gerät früher von Google bekam.
- Matter über WLAN: Kopplung per Code oder QR-Code direkt am Thermostat. Haken: unfr0zen nutzt eine Test-Hersteller-ID ohne Zertifizierung. Der Matter-Server von Home Assistant nimmt das Gerät nur an, wenn dort die Test-Option (test-net DCL) aktiv ist. Matter über Thread gibt es auch, ist aber ausdrücklich experimentell.
- Zigbee: Der eingebaute Funkchip wird zum Zigbee-Router. Mit ZHA klappt das ohne Quirk. Für Zigbee2MQTT ab Version 2.12.1 liegt ein externer Konverter bei, der alle Entitäten benennt und das Wetter durchreicht.
Zigbee und Thread teilen sich denselben Funkchip, es geht also nur eins von beiden. Und weil Nerds Nerds sind, läuft auf dem Thermostat auf Wunsch auch Doom: Ring drehen zum Laufen, drücken zum Schießen. Dazu steht in der Doku trocken: Solange Doom läuft, heizt das Thermostat nicht. Wer also im Januar Dämonen jagt, sollte einen dicken Pulli tragen.

Welche Nest-Thermostate laufen
Getestet sind laut Projekt die 2. und 3. Generation des Nest Learning Thermostat. Die 1. Generation ist experimentell und noch an keinem echten Gerät ausprobiert. Bei der 3. Generation gibt es einen Haken: Der Patch hängt von einer bestimmten Revision des verbauten Chips ab, und Google hat unterschiedliche ausgeliefert. Ob euer Gerät passt, zeigt die App nach dem Anstecken.
Gebraucht werden ein Micro-USB-Kabel, das Daten überträgt (reine Ladekabel reichen nicht), und ein Rechner mit Windows, macOS 13 oder neuer oder Linux. Vor dem ersten Durchlauf sichert die App den kompletten Speicher des Thermostats als Abbild. Damit lässt sich der Originalzustand später wiederherstellen.
Wichtig für Thermostate mit Heat Link
In Europa hängt das Nest-Thermostat meist an einem Heat Link, der die Heizung schaltet. Der Funkchip, den Zigbee und Thread übernehmen, ist derselbe, über den das Thermostat per Funk mit dem Heat Link spricht. Laut Doku verliert ein europäisches Gerät der 3. Generation, das nur per Funk am Heat Link hängt, nach dem Umstieg auf Zigbee oder Thread diese Verbindung, und es erscheint der Fehler H71. unfr0zen stellt das Thermostat dann auf einen anderen Heizungsmodus um, damit es weiterheizen und die Frostschutztemperatur halten soll. Geräte, die per Kabel am Heat Link hängen, bleiben unverändert. MQTT und Matter über WLAN lassen den Funkchip in Ruhe. Wer nicht weiß, wie sein Nest verdrahtet ist, fängt also am besten mit MQTT an.
Ohne Risiko geht so ein Eingriff natürlich nicht. Das Projekt warnt selbst: Ein fehlgeschlagener Durchlauf kann das Thermostat lahmlegen oder dafür sorgen, dass es die Heizung nicht mehr steuert. Die Garantie ist danach weg, und die Google-Dienste funktionieren für das Gerät womöglich nicht mehr. Der Entwickler empfiehlt, die Sicherung vorher zu machen und für die Testphase eine andere Heizmöglichkeit parat zu haben. An einem frostigen Sonntagmorgen würde ich das also eher nicht ausprobieren.
Meine Einordnung
Bisher läuft das Nest-Thermostat in Home Assistant über die offizielle Google-Nest-Integration. Dafür braucht es ein Google-Cloud-Projekt und eine einmalige Gebühr von 5 US-Dollar für Googles Device-Access-Programm. Danach geht jeder Befehl über Googles Server. Dazu kommt Googles Kurs bei den Thermostaten: Im April 2025 hat Google angekündigt, keine neuen Nest-Thermostate mehr in Europa auf den Markt zu bringen. Die 3. Generation bekommt zwar weiter Sicherheitsupdates, bei der 1. und 2. Generation hat Google den App-Support aber schon im Oktober 2025 eingestellt. Wie schnell so etwas gehen kann, sehen wir auch bei tado° und seinem API-Limit.
Für Nest-Besitzer ist unfr0zen deshalb spannend: Das Thermostat läuft lokal, auch ohne Internet und unabhängig davon, was Google künftig mit seinen Geräten vorhat. Aber das Projekt ist jung, und es ist ein Eingriff in das Gerät, das eure Heizung steuert. Wer basteln mag, wartet am besten noch ein paar Versionen ab oder probiert es an einem milden Tag mit Sicherung in der Hinterhand. Erfahrungen mit dem Nest in Home Assistant tauscht ihr in unserer Community aus. Wer ganz neu anfängt, ist mit Thermostaten, die von Haus aus lokal mit Home Assistant laufen, entspannter unterwegs. Die findet ihr im Gerätefinder.
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