Seid ehrlich: Wie viele Einträge in eurer Router-Liste heißen „Unknown device“, „Android_7F3A“ oder schlicht „espressif“? Eben. Genau dagegen tritt Vedetta an, eine neue App für Home Assistant. Sie scannt euer Heimnetz, findet jedes Gerät und rät nicht einfach drauflos, sondern zeigt, warum sie meint, dass hinter 192.168.1.111 euer Küchenlicht steckt. Der Name ist italienisch und heißt so viel wie „Wachposten“. Projekt und Doku liegen auf GitHub.

Was Vedetta kann
Laut README und der Vorstellung des Entwicklers im Home-Assistant-Forum:
- Finden in drei Stufen: ein leichter ARP-Scan, ein gezielter Scan ausgewählter Geräte und eine tiefe Suche mit allen Ports, die auch jede Nacht um 3 Uhr läuft. Jede Methode ist grün, orange oder rot markiert, je nachdem, wie aufdringlich sie ist, und ihr entscheidet, was laufen darf.
- Erkennen aus vielen schwachen Hinweisen: Hersteller-Kennung der MAC-Adresse, DHCP, mDNS/Bonjour, UPnP, offene Dienste, Titel der Weboberfläche, TLS-Zertifikat, lokale APIs etwa von Shelly und Tasmota und die Geräteliste von Home Assistant. Daraus werden Name, Marke, Modell und Kategorie.
- Zeigt seine Arbeit: Hinter jedem Namen steckt ein (i), das alle Hinweise samt Gewichtung auflistet und auch, was verworfen wurde. Ist sich Vedetta nicht sicher, landet das Gerät unter „Other“ statt in einer falschen Schublade. Was ihr selbst eintragt, wird nie überschrieben.
- Anwesenheit und Latenz: Online/offline-Verlauf über 24 Stunden und 7 Tage, dazu erkennt es Gateway, DHCP- und DNS-Server, Repeater und doppeltes NAT. Schlafende Handys behalten ihren Namen, sobald er einmal per Bonjour oder DHCP aufgetaucht ist.
- Zurück an Home Assistant, wenn ihr wollt: Vedetta liest Namen und Räume aus Home Assistant nur aus und schreibt dort nichts hinein. Einzelne Geräte könnt ihr per Knopfdruck über MQTT als Unter-Geräte eines „Vedetta“-Geräts teilen. Dafür braucht ihr einen Broker wie Mosquitto, den ihr vielleicht schon von Zigbee2MQTT kennt.

Neu in Version 0.10.0 vom 30. Oktober: Vedetta kann Geräte aus anderen Netzen anzeigen, etwa aus einem eigenen Smart-Home-VLAN oder dem Gästenetz. Die scannt es nicht selbst, sondern übernimmt, was die Router-Integration in Home Assistant ohnehin schon kennt. Die Funktion ist standardmäßig aus. Seit 0.9.0 gibt es außerdem eine deutsche Oberfläche, laut Entwickler eine erste Übersetzung, die noch kein Muttersprachler gegengelesen hat. Wer Lust hat, darf also Korrektur lesen.
Einordnung: Wie reif ist das?
Jung, aber fleißig. Das Repo gibt es seit dem 5. Oktober, seitdem sind 25 Versionen erschienen, offene Issues gibt es gerade keine. Mit gut 70 Sternen ist Vedetta noch ein Geheimtipp, sammelt aber gerade täglich neue. Ausprobiert haben wir es nicht, das hier stützt sich auf README, Changelog und das Forum. Der Entwickler sagt selbst, dass er die Erkennung an über 400 Geräten aus echten Heimnetzen geprüft hat und dass Handys mit privater WLAN-Adresse (iPhone, iPad) oft erst mal nur „Apple mobile“ bleiben. Er empfiehlt, Vedetta 24, besser 48 Stunden laufen zu lassen, bevor man urteilt. Und er schreibt offen dazu, dass ein großer Teil des Codes mit Hilfe von Claude entstanden ist, den er prüft und im eigenen Netz testet.
Zwei Dinge solltet ihr vor der Installation wissen. Erstens: Vedetta braucht das Host-Netzwerk und die Rechte NET_ADMIN und NET_RAW, weil es mit arp-scan und nmap arbeitet. In einem frühen Fall wurde Home Assistant spürbar langsam, solange Vedetta lief. Ab Version 0.6.0 hat der Entwickler dafür Bremsen eingebaut, das Issue ist geschlossen. Zweitens: „Keine Cloud“ heißt hier keine Konten und keine Telemetrie, aber nicht null Internet. Laut Datenschutz-Doku fragt die App ab Werk eure öffentliche IP bei OpenDNS ab, macht einen Traceroute zu 1.1.1.1 und lädt die Herstellerlisten der IEEE. Daten über eure Geräte sollen dabei nicht rausgehen, und alle drei lassen sich in der Konfiguration abschalten, auch vor dem ersten Start.
Ganz neu ist die Idee natürlich nicht. Home Assistant bringt mit dem Nmap Tracker eine eigene Integration mit, die aber vor allem Anwesenheit meldet. NetAlertX überwacht das Netz auf neue Geräte, und Apps wie Fing nennen eine Marke, aber keinen Grund. Ein Nutzer im Forum schreibt, dass ihn bei NetAlertX nervt, wie dieselben Geräte immer wieder als „neu“ auftauchen. Genau daran arbeitet Vedetta. Wie Leute in der simon42 Community ihre IP-Adressen bisher in eine Dashboard-Karte bekommen, lest ihr im Thread Anzeigen aller IP Adressen. Und wer sein Heimnetz gleich ganz aufräumen will, findet Inspiration in Zeigt her eure Netzwerkdiagramme.
So installiert ihr Vedetta
Vedetta ist eine App (früher Add-on), keine HACS-Integration. Sie läuft deshalb nur auf Home Assistant OS oder Supervised, etwa auf einem Home Assistant Green*, nicht auf Container- oder Core-Installationen. Unter Einstellungen → Apps → App installieren → ⋮ → Repositories fügt ihr https://github.com/Sived80/vedetta hinzu, installiert Vedetta, schaltet „In Seitenleiste anzeigen“ ein, startet die App und drückt „Scan network“. Wer erst gucken will: Auf der Live-Demo klickt ihr euch im Browser durch ein Beispielnetz mit 39 Geräten. Lizenz: MIT.
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